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Konzeption zur Gründung der Homburger Tafel im Stadtgebiet Homburg/Saar & Saarpfalz-Kreis

Bei jedem Kunstwerk, groß oder klein, bis ins Kleinste, kommt alles auf die Konzeption an.

(Maximen und Reflexionen), Johann Wolfgang von Goethe

Diese konzeptionelle Ausarbeitung entstand zu Beginn der eigentlichen Tafelarbeit (8 Monate vor der ersten Ausgabe) und erwies sich als sehr effektiv. Diente sie uns doch in vielen täglichen Gesprächen mit Interessierten, politsch Verantwortlichen, potentiellen Ehrenamtlichen Mitarbeitern, usw. dazu, unseren Auftrag und unser Ziel genauer zu definieren. Sicherlich sind die bereitgestellten Hilfen der Bundestafel von großer Bedeutung für die Tafelarbeit. Indes hat jede Tafel vor Ort ihre spezifischen Eigenschaften und Eigenarten, die es zu bewältigen gilt.
Als äußerst positiv soll hier heraus gestellt werden, dass unser Bestreben, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen vor Ort tätigen Wohlfahrtsverbänden, kirchlichen Trägern und Einrichtungen, sowie der Stadt Homburg und dem Landkreis Saarpfalz zu erreichen, hat sich als richtig erwiesen. Manche große oder kleine Sorge konnte so auf viele Schultern verteilt werden, was wiederum vielfältige Ideen zur Lösung mit sich brachte.
Die Veröffentlichung unserer Konzeption will dazu beitragen, Menschen die gewillt sind, eine Tafel zu gründen bzw. deren Struktur zu überarbeiten, als eine Art „Ideenpool“ zur Eingrenzung des Aufgabengebietes zu dienen.
Ernährungsarmut in Deutschland
Je nach Berechnungsmodell leben in Deutschland zwischen fünf und acht Millionen Menschen in (Einkommens-)Armut. Das Einkommen wird zu einem großen Teil für die Absicherung elementarer Lebensbedürfnisse benötigt. Bei einem ohnehin beschränkten Budget können meist nur bei der Nahrung größere Posten eingespart werden. Besonders Haushalte mit geringem Einkommen verzichten auf den Kauf bestimmter Nahrungsmittel.
Viele Betroffene leben pro Tag von ca. 4,50 Euro, die für die Zubereitung von Frühstück, Mittag- und Abendessen ausreichen müssen. Als Luxus gilt unter Armen oft schon das, was für die Mehrheitsgesellschaft als Alltagskost gesehen wird. Auf Fleisch wird meist ganz verzichtet. Frisches Obst ist selbst im Sommer noch zu teuer und auch Grundnahrungsmittel wie Milch gehören oft zu den Luxusgütern.
Spricht man sogar von „materieller“ Ernährungsarmut, ist die Situation noch schwieriger. Dann reicht allein die Menge nicht aus und/oder Qualität und Hygiene der Lebensmittel sind unzureichend. Besonders im letzten Monatsdrittel fällt es vielen schwer, eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen. Die negativen Folgen für die Betroffenen liegen auf der Hand: Hunger, Fehlernährung sowie die Konkurrenz von Nahrungsmitteln zu Genussmitteln wie Alkohol, Zigaretten sowie Drogen ist groß.
Viele Sozialhilfeempfänger schaffen es nur durch extremen Verzicht bis zum Monatsende durchzuhalten. Vielen gelingt es nicht. Sie sind auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen oder hungern. Dies bestätigt, was der Volksmund formuliert. Wer arm ist, lebt mehr oder minder von der Hand in den Mund.[1]

1]Information aus der Homepage Bundesverband Deutsche Tafel e.V., Abfrage vom 21.10.2005, Konstantin von Normann, Diplom-Oecotrophologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftssoziologie des Instituts für Agrarpolitik, Marktforschung und Wirtschaftssoziologie der Universität Bonn. Im Rahmen seiner Dissertation (Die Deutsche Tafeln – Lebensmittelhilfe als innovative soziale Dienstleistung im Non-Profit-Sektor) forscht er über die Arbeit der Tafeln.

 
Die Idee

Die Idee für das Projekt zur „Versorgung mit Lebensmitteln an Bedürftige in der Stadt Homburg“ wurde aus den Erfahrungen mit der Verteilung von Lebensmitteln an Bedürftige im St. Ingberter „Treff im Gässje“ geboren. Bedingt durch die rapide angestiegenen Lebenshaltungskosten sowie durch die Einführung arbeitsmarktpolitischer Steuerungsinstrumente (Hartz IV) hat sich die Lebenslage von ALG II- und Sozialhilfeempfängern merklich verschlechtert. Insbesondere kann sich der betroffene Personenkreis oftmals nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgen. Die Versorgung mit einer abwechslungsreichen und vitaminreichen Kost gestaltet sich oftmals für viele Bedürftige finanziell schon ab der Mitte eines Monats als sehr schwierig.

Die im Stadtverband Homburg ansässigen Wohlfahrtsverbände der Arbeiterwohlfahrt und das Diakonische Werk sowie die Stadtverwaltung Homburg sollten mit in das Projekt eingebunden werden.

Caritas-Zentrum Saarpfalz
Das Projekt wird von dem Caritas-Zentrum Saarpfalz mit der ersten Bereitstellung von Räumlichkeiten im Caritas-Zentrum Saarpfalz, Bexbacher Straße 4 in 66424 Homburg unterstützt. Des weiteren stehen im Caritas-Zentrum St. Ingbert ein Büroraum für organisatorische Vorbereitungen zur Verfügung.
Zur finanziellen Unterstützung und Absicherung sollten möglichst ortsansässige Sponsoren gefunden werden.
Das Projekt soll von ehrenamtlichen Mitarbeiter/Innen[1] in Eigenverantwortung getragen werden. Neue ehrenamtliche Mitarbeiter müssen dazu erst gewonnen werden. Als ehrenamtlicher Projektleiter ist Herr Roland Best eingesetzt.
1] Wenn im Folgenden das Wort Mitarbeiter benutzt wird, ist hier sowohl die weibliche als auch die männliche Form gemeint. Das Wort Mitarbeiter dient lediglich der schriftlichen Vereinfachung.
Das Projekt soll firmieren unter:
„Homburger Tafel e.V.“
Begleitet wird das Projekt durch regelmäßig stattfindende Teamsitzungen.
Ein Jahr nach Projektbeginn soll eine erste Evaluation durchgeführt werden.
Betätigungsfeld
Das Betätigungsfeld orientiert sich an den Tafelgrundsätzen:
„Die Tafeln sammeln überschüssige Lebensmittel, die nach den gesetzlichen Bestimmungen noch verwertbar sind, und geben diese an Bedürftige ab.
Die Tafeln können auch Artikel des täglichen Bedarfs ausgeben. Der Schwerpunkt muss auf dem Einsammeln und Ausgeben von Lebensmitteln liegen. Die Abgabe erfolgt unentgeltlich oder gegen einen geringen Kostenbeitrag, wie z.B. eine Münze pro Haushalt und Ausgabe. Die Ermittlung der Bedürftigkeit orientiert sich an der Abgabenordnung § 53 unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und wird von jeder Tafel individuell festgelegt. Die Abgabe der Lebensmittel erfolgt unter Beachtung der Lebensmittelhygieneverordnung (LMHV) und des Infektionsschutzgesetzes.“[1]
[1] Tafelgrundsätze, Grundsatz 1
Lieferanten
Alle Bereiche von Nahrungsmittelindustrie und –vertrieb kommen als Lieferanten in Betracht, so u.a. Bäckereien, Konservenhersteller, Groß‑ und Supermärkte.
Privatleute sollten wegen eventueller Auflagen des Gesundheitsamts und zu kleiner Mengen als regelmäßige Lieferanten ausgeschlossen werden. Um die Akzeptanz der Bevölkerung für das Projekt zu erhöhen, sollten sie aber durch gezielte punktuelle Aktionen die Möglichkeit einer Spende erhalten, beispielsweise könnten Sammlungen an Geburtstagsfeiern, St. Martin, Erntedank, Fastenzeit, Sammlungen in Schulen und Kindergärten, „Eins mehr“, etc. durchgeführt werden.
m Interesse einer guten und abwechslungsreichen Versorgung ist von einer Eingrenzung des Lieferantenkreises abzusehen. Wichtig ist jedoch die Festlegung von Prioritäten unter Berücksichtigung von Nahrungsmittelvielfalt/‑menge und Lieferort.
Eine Zusammenarbeit mit bestehenden Tafelprojekten im Saarland ist im Interesse von Synergieeffekten anzustreben.
Zielgruppe
Die Zahl der Abnehmer ist vor allem abhängig von der zur Verfügung gestellten Ware.
Berücksichtigt wird neben Bedürftigkeit auch die räumliche Nähe. Als bedürftig gelten vor allem:

Obdachlose/Wohnungslose

Menschen in Krisensituationen

Menschen mit geringem Einkommen
Da die Bedürftigkeit objektiv schwer zu messen ist, wird niemand zurückgewiesen, der sich selbst erstmal für bedürftig hält.

Dennoch sollten Personen, wenn sie regelmäßig Lebensmittel beziehen, durch Vorlage eines Nachweises (Arbeitslosengeldbescheinigungen, Sozialhilfebescheid, etc.) zur Klärung ihrer Bedürftigkeit beitragen, um Missbrauch vorzubeugen (§ 53 Abgabenverordnung). Die Zusammenarbeit mit ortsansässigen Wohlfahrtsverbänden (AWO, Diakonisches Werk, etc.) sowie der Stadt Homburg ist anzustreben.

Räumliches Angebot
Das Projekt beschränkt sich sowohl bezüglich der Empfänger als auch der Lieferanten auf den Einzugsbereich des Stadtverbandes Homburg und dem Saarpfalz-Kreis.
Weiterhin wird das Angebot begrenzt durch die verfügbaren Fahrzeuge (Ladekapazitäten und Kühlmöglichkeiten), die Wegstrecken, Fahrzeiten und die Anzahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter.
Je nach Nachfrage und Angebot an Lebensmitteln, sollte geprüft werden, ob es sinnvoll erscheint, Außenstellen in den Stadteilen in Kooperation zu eröffnen.
Zeitlicher Rahmen
Die Planungsphase wird sich über einen Zeitraum von 8 Monaten erstrecken (Oktober 2005 –Mai 2006).
In der Planungsphase ist folgendes abzuklären bzw. zu organisieren:
Gewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitern

1. Gewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitern

-Mitarbeiter pro Tag:
-Büro                                                                                1 Person
-Fahrer                                                                             2 – 3 Personen
-Aufbereitung und Abgabe der Lebensmittel              10 - 20 Personen

 

2.  Gewinnung von Lieferanten
- Ansprechpartner
- Abholzeiten
- Lieferscheine
- Spendebescheinigung
3.  Aufbau einer Ablauforganisation und eines Qualitätsmanagement
- Qualitätsmanagmentordner wo finde ich was (Hygiene, Organisation),
- Telefon-/Bürodienste,
- Fahrdienste,
- Zuständigkeiten,
- Formulare / Lieferscheine (Quittungen für Warenerhalt im Laden, Bezugsberechtigung,…),
- Personaleinsatzplan,
- Telefonliste Mitarbeiter,
- Telefonliste Geschäfte,
- Wegepläne,
- Reinigungsplan Personal,
- Reinigungsplan PKW,
- Reinigungsplan Böden,
- Einrichtung Kühlschränke
- Wareneingangskontrolle,
- Temperaturliste für Kühlschränke,
- Strukturspezifische Hygienebelehrung,
- Bedienungsanleitungen für Mitarbeiter
- Liste mit Telefonnummern von anderen Hilfeeinrichtungen
4.  Müllentsorgung
- Restmüllentsorgung
- kompostierbarer Müll
- Pappe/Papier
- Holzkisten
- Entsorgung beim Lieferant
- kostenlose Anlieferung/Abholung bei Entsorgungsunternehmen vor Ort
- Kontakt zu kommunalen Entsorgungsunternehmen
- Mülldeponien / Müllverbrennungsanlagen
5.  Öffentlichkeitsarbeit
- erstellen eines Flyers,
- Presseartikel,
- Artikel für die Pfarrblätter,
- Vorstellen des Projektes bei der Stadt Homburg/Sozialamt,
- Vorstellen des Projektes bei den ortsansässigen Pressestellen
    (Saarbrücker Zeitung, Wochenspiegel, etc.)
- Homepage,
- Einladung Infoveranstaltung für ehrenamtliche Mitarbeiter
- Weihnachtsbrief,
6.  Gewinnung von Sponsoren
- Girokonto
- Abwicklungskonto für Spendeneingänge
- Verwaltung des Geldes (Buchhaltungsprogramm, Vereinsverwaltung)
7.  Ausstattung Büro/Sozialraum
- Tisch und Stühle,
- Telefon,
- Faxgerät,
- PC mit Drucker,
- Software
- Internetzugang,
- Handy(s),
- Kopierer,
- Anrufbeantworter
- Renovierungsarbeiten
- Toilette
- Kaffeemaschine
- Kaffeegeschirr
8.  Auflagen des Gesundheitsamtes / Ordnungsamtes
- Ansprechpartner
- Schulung

9.    Bereitstellung/Anschaffung eines Lieferwagens / Kühlfahrzeuges

- Fahrzeug mit Werbeaufdruck (Greive Sozialsponsoring)
- Anmietung eines Fahrzeuges
- Versicherung eigener Fahrzeuge

10.  Ausstattung der Räume mit
- Kühlschränken, Kühlzelle
- Tischen,
- Regalen,
- Stühlen,
- Handwaschbecken (Warmwasser)
- Papierhandtüscher
- Seifenspender
- Abfalleimer (möglichst mit Fußpedal)
11.    Klärung von Haftungsfragen und Rechtsform

12.    Versicherung der Mitarbeiter
Versicherungsträger
Haftpflicht
Berufsgenossenschaft

13.  Versorgung mit diversen Arbeitsmaterialien
- Papier,
- Briefpapier,
- Visitenkarten (www.Vistaprint.de),
- Schreibzeug,
- Stadtpläne,
- Karteikasten,
- Fahrtenbuch,
- Telefonbücher
- Ausweisformulare
- Übergabebuch
- Einmalhandschuhe
- Plastikschürzen
- Namensschilder
14.  Klärung der Öffnungszeiten
- Tag
- Ferien
- Urlaub
15.  Reinigung der Räumlichkeiten und der Fahrzeuge
- Zuständigkeiten
- Bereitstellung von Putzmaterialien

16.   Belehrung nach §§ 42 & 43 Desinfektionsgesetz

Grundsätze

-          Ausrichtung als gemeinnützige nicht gewinnorientierte Organisation,

-          Beschaffung zusätzlicher (vitaminreicher) Nahrungmittel – kein Ersatz für staatliche Programme,

-          Umverteilung nur qualitativ einwandfreier Nahrungsmittel (entsprechend den Vorschriften des Gesundheitsamtes),

-          vollständige Weitergabe (keine Vernichtung) eingesammelter Ware,

-          Mitarbeit von Bedürftigen als Hilfe zur Selbsthilfe,

-          Einsatz vorwiegend ehrenamtlicher Mitarbeiter

Vorgaben für Lieferanten

-          Lieferung (weitgehend) einwandfreier Ware,

-          Lieferung ohne Bezahlung,

-          Ankündigung von Zusatzlieferung mindestens 24 Stunden vorher,

Vorgaben für das Projekt und die Mitarbeiter

-          keine Zusage bestimmter Lebensmittel und Warenmenge an Abnehmer.

-          Einsammeln / Abgeben wirtschaftlicher Mindestmengen.

-          Abgabe von Nahrungsmittel für 2,00 € pro Ausweis.

-          Allen Mitarbeiter steht ein Übergabebuch zur Verfügung, in dem die besonderen Vorkommnisse festgehalten werden.

-          Eine Datenschutzerklärung ist zu unterzeichnen.

-          Die Mitarbeit ist freiwillig. Jeder Mitarbeiter kann ohne Angaben von Gründen jederzeit aus dem Projekt ausscheiden.

-          keine Zusage bestimmter Lebensmittel und Warenmenge an Abnehmer.

-          Einsammeln / Abgeben wirtschaftlicher Mindestmengen.

-          Abgabe von Nahrungsmittel für 2,00 € pro Ausweis.

-          Allen Mitarbeiter steht ein Übergabebuch zur Verfügung, in dem die besonderen Vorkommnisse festgehalten werden.

-          Eine Datenschutzerklärung ist zu unterzeichnen.

-          Die Mitarbeit ist freiwillig. Jeder Mitarbeiter kann ohne Angaben von Gründen jederzeit aus dem Projekt ausscheiden.

Vorgaben für Abnehmer

-          Ausgabe von Lebensmittel nur als zusätzliche Quelle von Lebensmittel anzusehen.

-          Abgabe von Lebensmitteln nur an Bewohner aus dem Stadtgebiet Homburg und dem Saarpfalz-Kreis.

-          keine Abnahme verdorbener Lebensmittel.

-          Verpflichtung zum persönlichen Verbrauch abgenommener Ware.

-          Betreibt der Abnehmer persönlichen Handel mit den abgegebenen Lebensmitteln, erfolgt der sofortige Ausschluss vom Bezug von Lebensmitteln für die Dauer von einem Jahr.

-          Sämtliche Räumlichkeiten sind Nichtraucherzonen.

-          Es findet keine Selbstbedienung statt; die Kunden werden von je einem „Austeiler“ bedient.

-          Die Abnehmer unterstützen die Mitarbeiter des Projektes bei der Klärung ihrer persönlichen Bedürftigkeit (Bezugsschein).

 

Erstellt von:
© Roland Best & Doris Lehmann

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